Schulbeginn um 8 Uhr. Sinnvoll oder schädigend?

21.07.2020

Young Volt Österreich

Die momentane Lage

In Österreich beginnt der Unterricht in fast allen Schulen um 8 Uhr. Dies ist seit Jahrzehnten unveränderte Praxis. Doch vor allem in den letzten Jahren wurden immer mehr Stimmen laut, den Schulbeginn auf 9 oder sogar 10 Uhr zu verschieben.

Jede Person hat ihren eigenen Schlafrhythmus, man neigt entweder dazu eine nachtaktive „Eule“ oder frühaufstehende „Lerche“ zu sein. Doch während der Pubertät kommt es bei fast allen Menschen zu einer drastischen Verschiebung in Richtung „Eule“. Diese Verschiebung gleicht sich im jungen Erwachsenenalter wieder aus. Unsere heutige Welt ist allerdings darauf ausgelegt schon früh effizient zu arbeiten, auch unser Schulsystem. Dies ist ein großes Problem. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass (chronischer) Schlafmangel zu vielen, zum Teil sehr starken, Nachteilen führen kann.

Psychische Gesundheit

Fast jede*r 4te Jugendliche in Österreich leidet an einer psychischen Erkrankung. Ein nicht zu unterschätzender Teil davon wird mit Stress und Schlafmangel in Verbindung gebracht. Denn zu wenig Schlaf führt zu niedrigerer Stresstoleranz, psychischem Unbehagen,  kann auch Depressionen oder sogar Angstzustände hervorrufen. Dies ist desaströs; nicht nur für die individuelle, momentane Gesundheit, sondern auch für die psychosoziale Entwicklung und das gesamte Gesundheitssystem. Dauerhafte Müdigkeit kann auch zum Rückgang sozialer Kompetenzen führen.

Die Gesundheit unserer jungen Generationen wird aufs Spiel gesetzt. Zehntausende Jugendliche können ihre Freizeit nicht ausleben, sind durchgehend übermüdet und sozial überfordert.

Schaden am Lernprozess

Nicht nur die Psyche wird durch den frühen Schulbeginn unter Druck gesetzt, auch die Bildung leidet darunter. Schlafmangel verkleinert Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit. Schüler können sich weder auf den Stoff konzentrieren, noch kann ihr Gehirn diesen aufnehmen, verarbeiten und speichern. Es wurden bereits zahlreiche Versuche durchgeführt, in denen der Unterrichtsbeginn für eine Mindestzeit von 2 Wochen um eine Stunde nach hinten verschoben wurde.   Es zeigte sich eine Verbesserung der schulischen Leistungen.

Ausgeschlafenen Schüler*innen konnten in derselben oder sogar kürzerer Zeit   Inhalte effizienter vermittelt werden. Diese Schüler*innen wiederum sind ausgeschlafen besser in der Lage sich aktiv zu beteiligen, selbstständig zu arbeiten und kreativ Probleme und Aufgabestellungen zu lösen.

Mögliche Gegenargumente

• Die Schüler*innen hätten am Nachmittag weniger Freizeit, wenn die Schule einfach um eine Stunde verschoben werden würde .

Dies würde theoretisch stimmen. Allerdings gibt es zwei Sachen zu bedenken. Durch die höhere Lernfähigkeit ist es vielleicht nicht nötig die Schule zu verlängern, da die Leistung der Schüler*innen eindeutig zunehmen würde. Außerdem möchte Volt eine Veränderung des gesamten Schulsystems herbeiführen. Die Verschiebung darf also nicht nur im Kontext des jetzigen Systems gesehen werden, sondern würde mit vielen anderen Änderungen einhergehen, die unsere Schulen humanistischer und effizienter machen würden.

• Es könnten zusätzliche Kosten bei einer Systemumstellung und längeren Betreuung aufkommen.

Diese Kosten würden von dem Nutzen für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem weit überschattet werden. Bei gebildeten und vor allem gesunden Jugendlichen hat der Staat weniger Ausgaben für psychologische Behandlungen und die Jugendlichen können sich auf ihren Beitrag zur Gesellschaft fokussieren.

• Die Schüler*innen könnten von Eltern nicht mehr in die Schule gebracht werden.

Die Verschiebung des Schlafrhythmus erfolgt häufig während der 5. bis 7. Schulstufe. Volksschüler*innen sind nicht unbedingt betroffen. Für Oberstufen wäre die optimale Anfangszeit wissenschaftlich gesehen sogar 10 Uhr. Schüler*innen ab 12-Jahren schaffen den Schulweg auch ohne elterliche Hilfe. Unter diesem Alter muss unbedingt ein Netz aus staatlichen Angeboten und Fahrgemeinschaften ausgearbeitet werden, um zu sichern, dass auch die jüngeren Schüler*innen ohne Probleme in die Schule kommen. Dies kann sicherlich Zeit und Ressourcen beanspruchen. Doch diese sollte uns die Gesundheit und die Bildung der nächsten Generationen definitiv wert sein!

• Nicht alle Jugendliche sind „Eulen“

Für 80-90% der Jugendlichen ist der jetzige Schulbeginn zu früh. Für alle anderen könnte eine Betreuung ab 8:00 eingeführt werden, unter deren Aufsicht sie bis 9 Uhr Hausübungen erledigen oder lernen können.

Fazit

Trotz einiger Herausforderungen ist eine Verschiebung des Schulbeginns auf frühestens 9 Uhr unabdingbar. In dem jetzigen System werden psychische Gesundheit und Lernfähigkeit der Schüler*innen unter Druck gesetzt und es entsteht ein großer Schaden für die Schüler*innen selbst und für das gesamte System.

Daher fordert Young Volt ausdrücklich einen Schulbeginn ab 9:00!