Victoria Bringmann

Kandidatin als Bezirksrätin

9. Bezirk

Meine Gedanken zum Schulsystem

Ich bin Biologiestudentin, Theatergänger, Salsera, Naturliebhaber und Städtebummler, nun auch Kandidatin für ein politisches Amt und es gibt noch einige andere Dinge, die mich begeistern. Aber die meisten dieser Leidenschaften habe ich außerhalb der Schule für mich entdeckt. So geht es eigentlich jeder Person, mit der ich mich in den vergangenen Jahren zum Thema Bildung unterhalten habe, in meiner Heimatstadt Stuttgart wie auch in meiner Wahlheimat Wien.

In einer sich derart rasant ändernden Welt sollte unser Bildungssystem nicht auf das sture Auswendiglernen von Fakten ausgerichtet sein. Allgemeinwissen ist wichtig, jedoch gibt es großen Aufholbedarf bei den sogenannten 21st century skills. Schüler müssen lernen, sich selbstständig zu informieren, kritische Fragen zu stellen, sich selbst zu organisieren und in einer digitalisierten Umgebung zurecht zu finden. Sie brauchen Werkzeuge wie Rhetorik, Ethik, Empathie, Logik und Kreativität, anstelle von starren Lehrplänen und Fächern.

Bei meinem FSJ in der Flüchtlingshilfe habe ich jedoch erst recht gemerkt, wie dringend unser Bildungssystem eine Generalüberholung braucht. Ich habe unter anderem unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, die nur 1-2 Jahre jünger waren als ich, Nachhilfe in Mathematik, Englisch und Deutsch gegeben. Wir mussten zwar einige Basics wie den Dreisatz und past tense wiederholen, aber nach ein paar wenigen Erklärungsansätzen, bei denen die Sprachbarriere auch eine gewisse Rolle gespielt hat, war das Problem gelöst. Einer von ihnen war sogar wirklich begabt in Mathematik, musste aber aufgrund seiner Deutschkenntnisse dennoch auf die Hauptschule gehen.

In Deutschland wie in Österreich hängt der Bildungsstand sehr stark vom Elternhaus ab. Ich als Tochter einer Akademikerfamilie hatte keine Schwierigkeiten, durch die Schulzeit zu kommen. Ich wurde von Kindesbeinen an gefordert und unterstützt, weder Sprache noch Geld waren eine Barriere für mich. Wenn ich da an die unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge beispielsweise denke, die teilweise seit ihrem 13. Lebensjahr nicht mehr bei ihrer Familie waren und während der mehrjährigen Flucht keinen Zugang zu Bildung hatten, oder auch einfach nur an Kinder aus einem nicht-akademischen Haushalt, wird mir wieder bewusst, dass der Unterricht wie wir ihn kennen, nicht mehr funktionieren kann.

Meine Forderungen:

Was wir brauchen ist ein Gesamtschulsystem, in dem jeder Schüler und jede Schülerin die Chance erhält, Barrieren zu überwinden und sich gemäß seiner Leidenschaften zu entfalten. Anstelle von Hausaufgaben soll es nachmittags Förderklassen, Projektarbeit und Raum für kulturelle, sportliche und soziale Arbeitsgemeinschaften an der Schule geben. Englisch, Informatik, Ethik und Gesundheit müssen dringend einen höheren Stellenwert im Lehrplan einnehmen und da die Zukunft in den Händen der Kinder liegt, sehe ich keinen Grund, warum man nicht mehr Geld in die Ausstattung von Schulen investieren sollte. Und schließlich brauchen wir mehr Lehrer. Der Beruf muss besser bezahlt werden und Quereinsteigern soll es erleichtert werden, mit ihrer Berufserfahrung ein wenig Vielfalt in die Lehrerzimmer einzubringen.

Lebenslauf

2017
Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium Stuttgart mit den Hauptfächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch und Kunst

2017-2018
Freiwilliges Soziales Jahr beim Freundeskreis Flüchtlingshilfe Böblingen

2018-jetzt 
Studium an der Universität Wien: ein Semester Mathematik B.Sc., drei Semester Biologie B.Sc.

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